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In einer fluiden Welt sind Startups agil

Startups – das sind die niedlichen Neuen mit dem heftigen Spieltrieb. Aber wie und was kommunizieren sie nach außen, wenn sie in ihrer frühen Phase doch nie Zeit haben. Meine Kollegin Kathleen Warnhoff und ich haben es uns angeschaut und eine interessante Verbindung zwischen ihrer Struktur, ihrem Lernverhalten und ihren Media Relations gefunden.  Eine gute Grundlage, um dort weiter zu fragen und zu forschen. Die auf der EUKO 2017 in Frankfurt/Main vergangene Woche präsentierten Ergebnisse werden jetzt erstmal weiterdiskutiert… Vieeeele Anregungen durch den interdisziplinären Ansatz und die Kollegen auf der Konferenz und perfekt organisiert.

Poster EUKO 2017 Kathleen Warnhof, Angela Bittner-Fesseler (Grafik: Simon Rabenstein)

Poster EUKO 2017 Kathleen Warnhof, Angela Bittner-Fesseler (Grafik: Simon Rabenstein)

Oktober 2017

Geld für’s aber

Parthenon der Bücher, Dokumenta 14, 2017 Foto: Angela Bittner-Fesseler

Parthenon der Bücher, Dokumenta 14, 2017 Foto: Angela Bittner-Fesseler

Bei aller Diskussion um ein „hüpfburgenhaftes“ Kunstwerk auf der Dokumenta 14 (hübsch assoziiert von Hanno Rauterberg in der ZEIT vom 13. Juni 2017)  tritt die Stadt Kassel mit ihrer unpretentiösen Art zu sehr in den Hintergrund. Dabei hat die Gastgeberin offenbar eine freundliche Persönlichkeit.. Denn sie  lässt Schilder aufstellen, die üblicherweise in Deutschland viel strenger klingen.

Und das geht so: Über den Fluss dürfen die Fahrradfahrer ausnahmsweise, „aber“ (Originalzitat) nur wenn sie rücksichtsvoll und langsam fahren. Nach solch freundlicher Argumentation auf einem offiziellen Straßenschild kann man also darüber nachdenken, warum „aber“: Die fürsorgliche Stadt? Ein neuer pädagogischer Ansatz? Wie: „Du darft das Eis bekommen, aber nur wenn Du …“? In jedem Falle löst das beim aufmerksamen Spaziergänger Freude aus, dass in der Stadtkasse für ein den Geist anregendes Wörtchen Geld da ist.

Juni 2017

Eine neue Wirklichkeit

Foto: Angela Bittner-Fesseler

Raus aus der Weltstadt, rein in die ländliche Region. Wie man sieht, ist auf dem Dorf einiges langsamer –  ich selbst zumindest. Bis zu diesem Moment wusste ich es nur noch nicht.

An einem grauen Wintertag ist so ein Sendehinweis an den mobilen Beifang fast magisch, für den Empfänger des Signals jedoch nicht direkt zu verarbeiten. Ich habe zwei Anläufe gebraucht. Dem Hund war es schnuppe.

Februar 2017

Einsam nur…

Stille Nacht, heilige Nacht… eigentlich sollte hier wieder ein Kommunikationsthema im Mittelpunkt stehen, das im Dezember up to date ist: Der Kommunikations- und Konsumrausch rund um das Weihnachtsfest. Allerdings ist mir seit Montag die Lust am Kommentieren vergangen. Ein stilles, spätnächtliches Bild davon, wie Berlin auch sein kann, steht für meinen Wunsch nach friedlichem Miteinander – ohne Fanatismus, Ausgrenzung, auf der Basis von Toleranz und annehmbaren Lebensbedingungen für alle Menschen. Ob sich dieser Wunsch irgendwann zum Fest erfüllen lässt?

ABittner Dezember 2016

Ende Dezember 2016

 

Berliner Mauer hinter Gittern

Als vor einigen Jahren eine befreundete Fotografin einen Tag an den Resten der Berliner Mauer verbrachte, berührte ein kleines Mädchen die Lippen des Herrn Sacharow. Ein Glückfall (s. Foto) für den Betrachter: Es sieht aus, als ob das Mädchen – fast scheu – Kontakt zu ihm aufnimmt.

Foto: Ira Golenkova, Moskau

Foto: Ira Golenkova, Moskau

Da leider nicht alle Kontaktaufnahmen mit den Bildern auf den Mauerresten so wertschätzend und zärtlich ausfallen, ist nun die Mauer, die einzäunen sollte nun seit Monaten selbst hinter Gittern.

Foto: E. Fesseler

Foto: E. Fesseler

Im ersten Moment muss dies wohl enttäuschend für die Besucher sein: Jedes Foto ist in leichtem Grau kariert, der Weg davor ist eng geworden, ein ungestörtes Betrachten ist nicht mehr möglich. Das Problem sind vermutlich all die Tag’s und Grafitti, die ganzen „I was here“-Inschriften – also Interaktionen mit den Bildern, das Bedürfnis zur eigenen Äußerung, auch Selbstdarstellung, die dieser Mauerstreifen scheinbar in den Besuchern aus aller Welt hervorruft.

Als Berlinerin bin ich oft vorbei geradelt und habe letzte Reste der von mir geliebten Bilder versucht zu erkennen, die mich emotional mit der Vergangenheit, mit dem Mauerfall und dem Gefühl von Aufbruch verbinden. Manchmal war da nichts mehr als ein buntes Gewirr von Zeichen. Weil sich andere Menschen in ihrem persönlichen Erlebnen mit der Mauer auseinandersetzen. Mancher mag das als Schmiererei oder Vandalismus bezeichnen. Aber sind es nicht temporäre Kunstwerke, die ebenso wie die Originale Regen und Wind ausgesetzt sind. Und ist es nicht auch gut so, wenn die Ur-Berliner Melancholie empfinden, dass sich etwas hier ändert, also nicht konserviert wird, sondern normaler Wandel und somit authentischer Teil einer Großstadt ist. Das Problem heißt aus meiner Sicht bewahren – dann sollte vielleicht diskutiert werden für wen: die Touristen, für die bemalte Mauer ein Magnet ist? Die reproduzieren wollen, was sie von der Mauer auf Bildern – Gorbi küsst Honecker – gesehen haben, und was sie nun auch im Original !! gesehen haben müssen, als Beweis, dass sie da waren, dass es existiert, dieses coole Berlin? Oder könnte man nicht auch im Sinne eines unaufhaltsamen Dialogs dem Wandel eines ehemals freien Kunstprojektes vorbehaltlos freien Lauf lassen?

Ich bin noch unentschieden.

Nov. 2016

Bauzeiten in Berlin: Hundert Jahre später

Kommunikation im öffentlichen Raum kann mehr Transparenz zeigen, als der historische Laie sie vermuten würde. So geschehen in der Kaiserzeit: Wer genau hinschaut, bekommt nämlich bei einer S-Bahnfahrt durch die Museumsinsel etwas Besonderes geboten: Schwarz auf weiß steht dort, dass Ende des 19. Jh. das Bauen schnell ging in Berlin. Und da es offensichtlich vorzeigbare Zeiten waren, schrieb man sie auch für jeden sichtbar an die Wand des Bauwerkes, in diesem Falle das Bode-Museum. Dieser Umgang mit den Bauzeiten ist am neuen Flughafen in Schönefeld nicht zu erwarten. Und sei es nur wegen der Häme, mit der sich die Öffentlichkeit auf dieses Thema werfen würde – auch wenn es ein sehr komplexes Bauvorhaben ist.

August 2016

Bittner/Bode-Museum aus der S-Bahn

Bittner/Bode-Museum aus der S-Bahn

Süße Street Art oder Werbung?

Bittner/Winsstraße, Berlin

Bittner/Winsstraße, Berlin

Kleine Stolperfallen für die figurbetonte Berlinerin gibt es in dieser Stadt überall: Als ich für ein Telefonat vom Fahrrad absteigen musste, sah ich ein paar bunte Punkte an der Wand im Gegenlicht leuchten. Beim näheren Hinsehen stellten sie sich als Gummibärchen heraus, die entgegen der Schwerkraft eine Art vertikalen Gesprächskreis bildeten.

Wer auch immer diese süße Idee hatte – ob ein Haribo-Guerilla-Marketing-Spezialist oder ein aufstrebender Berliner Street Art-Künstler – ich kann versichern: Nicht nur Kindern fällt es schwer, daran vorbeizugehen und nicht eines davon abzuzupfen.

Juni 2016

PR-Sprech nun auch in Tageszeitung gesichtet

Screenshot lästigen PR-Sprech's

Screenshot lästigen PR-Sprech’s

Es war zu offensichtlich und daher habe ich es doch getan: ein digitaler Leserbrief an die Redaktion der Berliner Zeitung zu ihrem Beitrag am 20.5.2016 „Der Berliner Verlag zieht um“ (Originaltext). Reaktion: offen.

Liebe Redaktion,

als Leserin der Zeitung möchte ich gerne zeitnah informiert werden, wenn etwas mit meiner Tageszeitung geschieht. Insofern war der obige Artikel hilfreich und eine Nachricht in der Printausgabe wert. Mit der Lektüre wuchs jedoch meine Irritation: Ist das ein redaktioneller Beitrag oder der 1:1-Abdruck einer Pressemitteilung? 
Ein paar Zitate zur Untermauerung: „Der Neubau … ist mit modernster technologischer Infrastruktur ausgestattet…“, der Verlag „mit seinen prägenden Marken“, die „zukunftsweisende Organisation“, eine „konsequente Weiterentwicklung“ – das wollen wir als Leser doch hoffen, dass die Mediengruppe etwas konsequent weiterentwickelt – alles Formulierungen, die ich selbst bei Pressemitteilungen rausstreichen würde. Bis zum vergangenen Freitag, 20. Mai 2016, war ich der Meinung, dass es nicht nur mich als PR-Redakteurin und Dozentin für Unternehmenskommunikation, sondern auch Journalisten vor solchen Formulierungen graust. 
Wie der Beitrag so in der Zeitung kam, kann ich mir bis heute nicht erklären, außer dass es in einer Tageszeitung wie in anderen Unternehmen ist: Der Chef hat es so gewollt.

Mai 2016

Willkommenskultur reloaded

Manchmal schenkt einem die reale Welt Symbolbilder für inkosistente Komunikation, wie sie ein Designer nicht besser hätte entwerfen können. Denn die Arbeitsergebnisse der PR wie Websites, Broschüren etc. wirken nicht immer so freundlich auf die Rezipienten, wie sie sollten. Bedenkt man, dass die Profis sie ja erreichen wollen. Offen heißt also nicht immer so offen, dass ein Besucher ein Unternehmen oder eine Organisation emotional wirklich besuchen kann. Dies kann an der Un-Übersichtlichkeit der Website liegen, die abschreckend wirkt. Aber auch Broschüre können durch Farbgebung, Worte, Bilder oder auch das Papier ausdrücken: Bleib draussen. Das ist exklusiv oder für Dich bzw. Sie ungeeignet. Oder: Das verstehst du nicht. Zu sagen, jemand ist willkommen und einen Zaun dahinter aufzustellen, ist wunderbar widersinnig. Dieser innere Widerspruch zwingt den Betrachter zum Benutzen seines Gehirns und hier der linken Hemisphäre, in der die kritische Bewertung verankert ist.

Sieht man das Bild unten stellt man sich vermutlich die Frage, was soll das? Wenn ich dorthin will, wie soll das möglich sein? Lohnt sich der Aufwand? Und möglicherweise geht man nach blitzschnellem Abwägen wieder weg. Für mich ist das Foto ein gelungener Hinweis für die Unternehmenskommunikation zu prüfen, wie wirkt denn meine Treppe und der Zugang zu ihr – also die Homepage oder das Cover einer Broschüre – gestaltet, um jemanden in das virtuelle Konstrukt, das ich mit meiner Kommunikation von meiner Organisation, meinem Unternehmen einzuladen? Ist es offen und freundlich, und heißt den (auch zufälligen) Besucher willkommen? So dass er sich beim Betrachten keine der oben genannten Fragen stellen muss.

Winter 2015/16

Wintersaison in Luisenburg (Foto: Bittner-Fesseler)

Wintersaison in Luisenburg (Foto: Bittner-Fesseler)

Jahresendzeit

25.12.2015

Die Visualisierung von Gefühlen ist derzeit allgegenwärtig, aufdringlich und hat Überhand genommen, weshalb ich heute lediglich einen vom Klimawandel betroffenen Weihnachts-ohne-Schnee-mann dagegen setzen mag.

Momentaufnahme aus dem Treptower Park am 25. Dezember 2015