Gefahren kommunizieren

2015 Feuerwehreinsatz mit Absperrband

2015 Feuerwehreinsatz mit Absperrband

Die Deutsche Bahn im sommerlichen Endjuli: Die Klimaanlage ist ausgefallen, es sollen um Frankfurt herum 33 Grad Celsius werden, sagt die Wetter-App, die die Mitreisenden – über ihr Smartphone wie der Denker von Auguste Rodin – konsultieren, um sich davon zu überzeugen, dass es zu Recht so heiß im Abteil ist.

Ich bin auf dem Weg nach Südendeutschland. Verspätung haben wir auch. Als der Zug eingesetzt wurde, sind es zunächst 15 Minuten („… Aufgrund der verspäteten Zugbereitstellung… „), inzwischen wird regelmäßig nach dem Anfahren des Zuges nach einer Station durchgesagt, dass wir „derzeit leider noch 43 Minuten Verspätung haben“. Was heißt ‚noch’? Hat man sich bemüht, aufzuholen, aber es hat leider nicht geklappt aber der Zugführer ist dran am Problemt? Oder komm jetzt ‚noch’ mehr dazu?

Und die Klimaanlage in unserem Wagon hat die Arbeit aufgegeben. So richtig heiß ist es noch nicht, aber in Frankfurt soll es ja recht warm sein. In solchen Fällen mit den Reisenden zu reden, war wohl eines der ersten learnings, seit den gehäuften Klimanlagen-Vorfällen.Wir werden also freundlich-bestimmt aufgefordert, das heiße Abteil zu verlassen, auf die Nachfrage, ob man das nicht selbst entscheiden darf, sogar mit Nachdruck. Die Antwort lautet also „Nein.“, dürfen wir nicht. Ich verstehe, dies ist also eine neue Vorschrift, damit wir gerettet werden vor unserem eigenen Körpergefühl, das uns melden könnte, ist doch ok hier.

Jemand befördert uns und hat somit auch diese Funktion mit übernommen. Der Subtext auf meiner Seite als Rezipientin, der ankommt: Sie könnten sich beschweren, dann kämen wieder Ärger. Ärgerlich ist das aktuelle Vorgehen so aber auch: Ein Nebensitzer hat eine Platzkarte, und es ist ein nettes Abteil. Wir gehen also murrend nach links und rechts und versuchen, ähnlich gute Plätze zu finden. Später komme ich durch unseren Wagon, in dem inzwischen die Abteile und Sitzreihen versiegelt sind mit rotweißem Band, auf dem endlos geschrieben steht, dass die Aircondition nicht funktioniert. Eine eindringliche Ansage, die ich auf Absperrbändern bisher nur von der Polizei, Baustellen, der Feuerwehr oder auch aus dem Topkapi-Palat in Istanbul mit dem Hunderte meterlangen Harem-Harem-Harem kenne…

Auf dem Bahnhof in Mannheim, wo ich später warten muss, versuche ich gegen schlechte Laune und Erschöpfung eine klare Brühe aus dem Automaten zu kaufen. Ich habe gelesen, dass durch Schwitzen Elektrolyte fehlen und das macht kaputt. Da Brühe sie meiner Meinung hat und die Menschen in heißen Ländern das auch tun, werfe ich 50 Cent ein, ein Becher fällt herunter, kippt um, ich greife schnell rein, richte ihn auf und der Rest des heißen Wasser läuft in den Becher. Beim Rausnehmen bemerke ich, dass die Brühe recht klar ist. Ich habe Wasser mit einem Hauch von Brühgeruch gekauft. Ich versuche es ein zweites Mal. Kann sein, dass beim ersten Versuch die Brühe genau in dem Moment in den Becher fiel, als er kippte. Auch die zweiten 50 Cent bringen mir heißes Wasser. Auch gut, nach Ayurveda: sehr gesund. Nur der Brühgeruch stört jetzt doch. Fairerweise muss ich sagen, dass der Automat nicht der Deutschen Bahn gehört, aber an solchen Tagen ist die doch an allem schuld, oder? Der Automat steht auf ihrem Betriebsgelände. Und er hat mich nicht vorgewarnt, dass das Brühwürfelpulver alle ist und er hat mich – anders als der freundliche Zugbegleiter im Namen des Unternehmens Deutsche Bahn – nicht davor bewahrt, eine eigene Entscheidung zu treffen.

August 2015

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